Nimmt Belgien mehr Flüchtlinge auf als andere Länder?

Gemessen an vielen anderen Staaten in Europa beantragen nur sehr wenige Menschen in Belgien Asyl. Die Vergleichszahlen zeigen, dass andere Länder ein Vielfaches an Asylbewerbern aufnehmen.

Hierbei muss unterschieden werden nach der Gesamtzahl an Menschen, die ein Staat aufnimmt und der Anzahl im Verhältnis zur Bevölkerung. Wenn beispielsweise ein bevölkerungsarmes Land wie Liechtenstein 5.000 Menschen aufnimmt, dann hat das andere Auswirkungen, als wenn Deutschland dies tut.

Die offizielle Eurostat Auswertung der Asyl-Erstbewerber in Gesamteuropa von Januar bis Ende September 2015 findet man hier online. Für die Monate Oktober, November und Dezember fehlen derzeit noch die offiziellen Statistiken. Die Gesamtzahlen von Januar bis Ende September ergeben folgendes Bild:

 

absolute Aufnahme

 

In Belgien haben also im genannten Zeitraum 23.130 Menschen ihren ersten Asylantrag eingereicht. Zum Vergleich –  in Deutschland haben in dieser Zeit 262.360 Menschen zum ersten Mal Asyl beantragt.

Eine Vielzahl der Anträge wird nicht nur in Belgien anschließend abgelehnt. So hat das CGRA im November 1.074 Erstanträge beurteilt. In 389 Fällen wurde die Gewährung von Asyl negativ beschieden. Bei 565 Menschen wurde das Recht auf Asyl anerkannt, 120 erhielten subsidiären Schutz. Die Menschen wurden also in ihrer Heimat gefoltert, zum Tode verurteilt oder vom Krieg bedroht, erfüllen aber in Belgien nicht die Voraussetzungen für Asyl.

Noch deutlicher wird der Unterschied zwischen den einzelnen europäischen Ländern, wenn man schaut, wie viele Einwohner auf einen Asylbewerber kommen. Hier stehen mir bislang nur die endgültigen Daten von 2014 zur Verfügung. Die aber zeigen, dass laut Eurostat selbst Länder wie das kleine Malta im Verhältnis zur Bevölkerungszahl 50 Prozent mehr Asylbewerber aufgenommen haben als Belgien:

 

pro Tausend

 

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