Sind Flüchtlinge krimineller als Einheimische?

Es ist mir bislang nicht gelungen, eine Auswertung für Belgien zu finden. Hier hilft vorerst ein Blick nach Deutschland. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat Ende Oktober 2015 die Straftaten von Zuwanderern untersucht und ein sogenanntes Lagebild erstellt. Diese Auswertungen gibt es auch zu anderen Themenfeldern wie Korruption oder Menschenhandel, sie sind nie öffentlich. Der konservativen Tageszeitung Die Welt gelang es dennoch, an ein Exemplar der „Lageübersicht Nr. 1 Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ zu gelangen.

Der Auswertung zufolge begehen Flüchtlinge im Durchschnitt genau so viele Straftaten wie die einheimische Bevölkerung. Den Großteil machen Vermögens- und Fälschungsdelikte mit rund 34 Prozent aus. Allerdings handelt es sich bei zwei Dritteln dieser Straftaten um Schwarzfahren in Bus und Bahn. An zweiter Stelle der Statistik folgt Diebstahl mit 33 Prozent. An dritter Stelle folgen sogenannte Rohheitsdelikte. Darunter versteht man etwa Körperverletzung. Diese Delikte machen 16 Prozent aus. Der in Sozialen Netzwerken und Foren immer wieder fälschlicherweise vorgebrachte Vorwurf der Sexualdelikte liegt hingegen unter einem Prozent.

Der deutsche Bundesinnenminister de Maizière bestätigte diese Erkenntnisse später auch offiziell: „Insgesamt zeigen uns die derzeit verfügbaren Tendenzaussagen, dass Flüchtlinge im Durchschnitt genauso wenig oder oft straffällig werden wie Vergleichsgruppen der hiesigen Bevölkerung. Der Großteil von ihnen begeht keine Straftaten, sie suchen vielmehr in Deutschland Schutz und Frieden.“

Kann diese Statistik gefälscht sein? Das ist aus mehreren Gründen äußerst unwahrscheinlich. Zum einen war diese Statistik nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Zum anderen vertritt CDU-Mitglied De Maizière in der Flüchtlingsfrage sehr konservative Positionen. Mehrfach hat er sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel widersetzt und Kontingente für Flüchtlinge gefordert. Außerdem kommen hohe Kriminalitätsraten der Polizei entgegen. Sie kann als Folge mehr Personal und bessere Ausrüstung fordern. Dies wiederum fände die Zustimmung des Bundesinnenministers, der oberster Dienstherr der Polizei ist.

Viel mehr Sorgen bereitet dem Bundeskriminalamt derzeit die rechte Gewalt gegen Asylbewerber. In einem weiteren vertraulichen Lagebild, das diesmal dem Spiegel vorliegt, warnt das BKA vor rechtsextrem motivierten Angriffen auf Flüchtlinge und Flüchtlingsheime. Alleine in den ersten drei Quartalen 2015 gab es insgesamt 505 Angriffe auf Flüchtlingsheime. Immer wieder nahmen Angreifer bei Brandanschlägen den Tod der Bewohner in Kauf.

 

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