Wie ist die Situation in Ostbelgien?

Ein paar Anfragen speziell zur Situation in Ostbelgien stehen noch aus und werden hier ausgewertet, sobald die Behörden geantwortet haben. Hier der bisherige Stand:

 

Anzahl der Asylbewerber

Zum jetzigen Zeitpunkt halten sich 821 Menschen in den Asylzentren der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens (DG) auf. Davon entfallen 500 Asylbewerber auf Elsenborn (Leitung Fedasil), 105 auf Eupen (Leitung Rotes Kreuz) und 216 auf Manderfeld (Leitung Rotes Kreuz). Diese Zahlen teilt Fedasil auf Anfrage per Mail mit. Sie beziehen sich auf den 22. Dezember 2015.

Hinzu kommen weitere Flüchtlinge, die Wohnraum über die Öffentlichen Sozialhilfezentren (ÖSHZ) erhalten. Diese Wohnungen befinden sich in Kelmis (5 Plätze), Lontzen (5 Plätze), Raeren (8 Plätze), Bütgenbach (5 Plätze), Sankt-Vith (21 Plätze) und Burg-Reuland (3 Plätze).

Somit halten sich derzeit insgesamt 868 Asylbewerber in der DG auf. Die Zahlen können in Zukunft leichten Schwankungen unterliegen. Wie Fedasil mitteilt, sind derzeit keine weiteren Asylzentren in der Deutschsprachigen Gemeinschaft vorgesehen. Die Kommunen seien aber ermutigt worden, über die Öffentlichen Sozialhilfezentren weitere Wohnungen für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen.

Wie alle anderen Asylbewerber in Belgien, erhalten die Flüchtlinge in der DG materielle Hilfe wie Nahrung oder eine Erstversorgung mit meist bereits getragener Kleidung aus den Kleiderkammern. Hinzu kommt für die Bewohner der Asylzentren pro Woche ein Taschengeld in Höhe von gerade einmal 7,40 Euro. Erwachsene, die außerhalb der Zentren wohnen, müssen sich selbst mit Nahrung versorgen und erhalten deshalb 60 Euro pro Woche. Weitere finanzielle Unterstützung wird Asylbewerbern nicht gewährt.

Zusätzlich ist es Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, strikt untersagt, einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen. Somit leben Asylbewerber auf Armutsniveau.

Zum Vergleich – mehr als 6.000 Ostbelgier pendeln laut DGStat zur Arbeit nach Deutschland, mehr als 3.500 nach Luxemburg. Dies tun sie, weil sie im Ausland eine bessere Perspektive suchen. So wie die Flüchtlinge.

 

Kriminalität:

Eine genaue statistische Auswertung der Straftaten in der Deutschsprachigen Gemeinschaft erfolgt noch nicht bei der Staatsanwaltschaft Eupen.

Andrea Tilgenkamp, Leiterin der Staatsanwaltschaft Eupen, teilt aber mit, dass Zuwanderer und Asylbewerber in der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien definitiv nicht häufiger Straftaten begehen als Menschen mit festem Wohnsitz in Ostbelgien.

Ihr ist beispielsweise kein Fall im Gerichtsbezirk Eupen bekannt, in dem einer der seit 2015 in den Asylzentren wohnenden Asylbewerber oder Flüchtlinge wegen Körperverletzung verurteilt wurde. Aufgrund der fehlenden Statistik schließt dies nicht vollkommen aus, dass es zu Anzeigen gekommen sein könnte. „In diesem Fall wäre die Anzahl jedoch verschwindend gering“, so die leitende Staatsanwältin.

Für die vermehrten Wohnungseinbrüche der letzten Jahre seien Tilgenkamp zufolge nicht Asylbewerber oder Flüchtlinge verantwortlich, sondern umherziehenden Täterbanden.

Ähnlich verhält es sich im Fall von Sexualdelikten durch Asylbewerber und Flüchtlinge. Darunter fallen Straftaten wie sexuelle Belästigung oder Vergewaltigung. Frau Tilgenkamp ist kein solcher Vorfall bekannt. Auch hier erfolgt die Auskunft der Staatsanwaltschaft aufgrund der fehlenden statistischen Auswertung unter Vorbehalt.

Der Vorwurf der sexuellen Belästigungen durch Flüchtlinge kursiert regelmäßig in Sozialen Netzwerken und basiert häufig auf falschen Behauptungen und absichtlich in die Welt gesetzten Gerüchten:                                                                                                                                  

 

Im Gegensatz dazu stehen die tatsächlich erfolgten Angriffe an Silvester in Köln und Hamburg. Die stoßen allerdings auch bei Flüchtlingen auf Entsetzen.

 

Weitere Informationen

Zur Flüchtlingssituation in der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien gibt es auch an anderer Stelle viele gut recherchierte Informationen:

Im Leitfaden Migration der Stadt Eupen finden sich viele Antworten auf Fragen, die speziell die Deutschsprachige Gemeinschaft betreffen

  • Werden Ausländer in Eupen bald in der Mehrheit sein?
  • Haben Ausländer Vorteile bei der Zuteilung von Sozialwohnungen?
  • Verschenkt das ÖSHZ Mobiltelefone an Ausländer?
  • etc.

Weitere Informationen, Videos und Broschüren der Stadt Eupen finden sich bei eupen.be

Auch das Grenz Echo bietet in seinem Dossier Flucht, Asyl und Migration Antworten auf zahlreiche Fragen zur Situation in Ostbelgien:

  • Dürfen die Flüchtlinge in Elsenborn bei der Gemeindearbeit helfen?
  • Lernen einheimische Kinder langsamer durch die Flüchtlingskinder in den Klassen?
  • Wer ist dafür zuständig, dass die Flüchtlinge Deutsch lernen?
  • etc.

 

Zahlreiche Informationen und Angebote finden sich auch bei Info Integration.

 

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